Ulis Baumhaus #4 - „Man kann eine Stadt nicht online zusammenhalten“ – mit Tobias Bücklein

Shownotes

🎙️ Gast: Tobias Bücklein Musiker, Autor, YouTuber („dieser Dad“), Instagramer, Tiktoker, Gesprächsgestalter, Menschen-Beobachter. [https://www.moderation.buecklein.de/bio]

Aktuelles Buch: "Plötzlich erwachsen – Dein Survival-Guide fürs echte Leben" (gemeinsam mit seinem Sohn Oskar)

🌿 In dieser Folge • Warum wir reale Begegnungen mehr denn je brauchen • Bühne, Stadt, Öffentlichkeit – und was Social Media verändert • Was Konstanz und Köln verbindet (und unterscheidet) • Sepp Maier auf Tour: Geschichten von Humor, Präsenz und Erfahrung • Demokratie in Zeiten der Bubbles • Echtes Leben vs. Second-Hand-Erfahrung • Die Sehnsucht nach Nähe in einer KI-Welt

🧭 Kernfragen • Wie erreichen wir Menschen heute – analog und digital? • Was heißt Gemeinschaft in einer Zeit der Algorithmen? • Woran erkennt man gute Kommunikation – und Nähe?

📚 Erwähnt • Plötzlich erwachsen – das neue Buch von Tobias Bücklein • Konstanzer Fastnacht, Gassenfreitag & Flohmarkt • Sepp Maier: „Als der Fußball noch Charakter hatte“

💬 Zitat aus der Folge

„Man kann eine Stadt nicht online zusammenhalten. Gemeinsame Erlebnisse stiften Gemeinschaft – nicht nur Content.“

📌 Über diesen Podcast

Ulis Baumhaus – Gespräche über Stadt, Mensch und Natur.

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Transkript anzeigen

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00:00:42: Herzlich willkommen in Ullis Baumhaus Talk über Stadt und Natur, über Mensch und Tier und mein heutiger Gast, den ich sozusagen in der Pilotfolge hier des Baumhauses eingeladen habe. Für die allererste Folge ist Tobias Büglein und er ist jemand sehr Besonderes. Er ist ein studierter Musiker, der nicht nur Töne versteht, sondern auch Stille. Er ist einer, der gelernt hat, ein Orchester zu dirigieren. Heute dirigiert er eher Communities, Gesprächsräume, digitale Bühnen. Er ist ein langjähriger Freund. Er ist jemand, der aus der klassischen Musik kommt und trotzdem die digitale Welt besser versteht und kennt als die meisten unserer Generation. Eine Welt, in der Applaus, wenn überhaupt, dann als Kommentar- und Daumenhoch-Symbol erscheint. Einer, diesen Job, den ich hier gerade mache, nämlich Gastgeber zu sein, Host zu sein, viel besser kann und kennt als ich. Er hat mich auch schon ein paar Mal interviewt, ich ihn noch nie. YouTube, Insta, TikTok, Millionen von Aufrufen hast du dort und du bewegst dich dort mit einer Leichtigkeit, als hätte man es für dich erfunden oder als hättest du es selbst erfunden. Du heißt dort meistens dieser Dad. Du bist ein Vater, ein Erzähler, ein Beobachter, ein Analyst auch, einer der die Welt. mit Tiefgang, mit viel Expertise und auch nicht zuletzt mit Humor öffnet, anstatt sie zu verschließen. Tobias hat auch noch Bücher geschrieben, ganz analog, übers Feiern, darüber, wie man Menschen zum Leuchten bringt, über Erziehung, über Social Media. Und ganz aktuell in diesen Tagen erscheint sein neues Buch, Plötzlich Erwachsen. Und jetzt Dein Survival Guide fürs echte Leben. Und dieses Buch hat er geschrieben mit seinem Jungerwachsenensohn Oskar und vielleicht erzählst du darüber gleich auch noch einen Satz. Heute sitzt er hier im Baumhaus Zwischenstadt und Natur. Er kommt gerade von einer Tournee zurück. Nicht mit irgendjemandem, sondern allen Ernstes mit Seppen Mayer, dem großen Torhüter, der lebenden Legende, der alle Titel gewonnen hat, die man im Fußball gewinnen kann. Erst als Spieler und dann auch nochmal als Trainer. Ihr beide wart gerade zusammen auf einer kleinen Tournee, wart dort immer zusammen auf der Bühne.

00:03:03: Lieber Tobias, schön, dass du da bist.

00:03:06: Ja, vielen Dank. Es mir eine große Ehre, dass ich in deinem Podcast sein darf und tatsächlich auch eine große Erleichterung, dass ich nicht derjenige bin, aufpassen muss, dass die Aufnahme läuft, sondern der entspannte Gast.

00:03:20: Lass uns gleich, dann darfst du Gast bleiben, lass uns gleich da anfangen. Wie war es mit Sepp Meyer?

00:03:27: Es war sehr schön und die leuchtenden Augen des Publikums sind sozusagen der Lohn und Dank gewesen. Es war sehr anstrengend, weil ich bei dieser Tour etwas gemacht habe, was ich noch nie gemacht habe, um ganz ehrlich zu sein. Ich habe Plakate gehängt, habe Boxen geschleppt, ich habe eine Anlage aufgebaut, war mein eigener Tontechniker. Also wir haben zu zweit im Grunde das komplette Veranstaltungsding gerockt. Das kennst du, das habe ich auch schon bei anderen Gelegenheiten gemacht. mit zu zweit TV-Produktion gemacht. Aber das war so richtig der eigene Rodi zu sein. Und auf der Bühne mit Sepp... Nee, Holger und ich, genau. Der durfte Gast sein und hat das auch super gemacht. Er ist mit 81 einfach super beweglich noch, sowohl geistig als auch körperlich, turnt auf der Bühne rum, spielt sein Leben vor. Und ich glaube, die Kunst in diesen acht...

00:04:04: Aber zu zweit heißt nicht du und Sepp, sondern du und nochmal... Sepp dürfte Gast sein.

00:04:25: Veranstaltung, wir jetzt hatten, wir haben es ja schon drei, vier Mal gemacht, eigentlich, haben ja auch Leute gefragt, wird man eigentlich wahnsinnig, wenn der jeden Abend die gleichen Geschichten erzählt? Also die eine Kunst ist die, dass das Publikum nicht merkt, dass er die gleichen Geschichten erzählt. Also das ist dann schon auch ein bisschen Schauspiel dabei. Nein, wirklich!

00:04:38: Mhm.

00:04:45: Aber zum anderen auch dafür zu sorgen, dass eben die Abende nicht gleich sind. Und er hat auch immer wieder neue Sachen erzählt, weil ich halt auch immer wieder versucht habe, das Gespräch anders aufzubauen, anders zu lenken, Publikumsfragen reinzunehmen oder den Zufall aktueller Anlässe. Und ich glaube, das ist eigentlich für mich der Gewinn und die Kunst gewesen an den acht Terminen, dass es achtmal interessant blieb, sogar für mich. Ich sag mal, ich habe mich in diesen acht mal gut zwei Stunden zweimal 15 Minuten gelangweilt. ganz ehrlich zu sein.

00:05:23: war ja selber vor Monaten schon einmal bei dieser Show, die ihr miteinander gemacht habt. ein Gespräch ist das eigentlich. Eigentlich ist es eine Talkshow, die du machst mit ihm. Und da wurde ja wirklich sehr, sehr viel gelacht im Raum. Also der ist schon witzig.

00:05:31: Hmm. Hm.

00:05:38: Der ist total witzig und das war auch so. Ich musste auch oft selber lachen. Vor allem die ersten drei, vier Mal gab es so viel Neues auch. Auch neue Geschichten, die ich noch nicht kannte. Und der ist halt auch frech. Der ist schon sehr lustig. Wir machen wahrscheinlich im März das Ganze nochmal.

00:05:59: Die Katze von Anzing. Über 80 ist er, oder? Habt ihr mal über Social Media gesprochen? meine, du bist dauerpräsent auf Social Media. Er weiß vermutlich nicht, oder? Habt ihr darüber gesprochen? Was sagt er dazu? Ist er da neugierig oder?

00:06:00: Ja, 81, genau.

00:06:13: Ich hab mit ihm einen Post gemacht. bin ja da selber so, ich, wenn ich solche Shows mache, ich vergess ja oft mit prominenten Fotos zu machen und die zu posten. Also das ist eigentlich eher meine Schwäche sogar. Also ich mache gerne Veranstaltungen und Shows und diese Social Media Begleitung, die scheint dir viel zu sein, aber eigentlich bin ich da völlig nachlässig. Auf der Tour hab ich relativ viel gepostet und ich hab einmal einen Post gemacht mit ihm und da sieht man genau was er davon hält. Was machst du auch den Scheiß mit dem Social Media so? Also das ist da... Wofür machst du das? Naja, gut und so. das ist nicht seine Welt und er hat ein Handy und er hat WhatsApp. Aber also sicherer ist es, wenn man mit seiner Frau kommuniziert.

00:06:53: Ja, der kommt noch aus dieser vielleicht auch irgendwie glücklichen Zeit, du, wenn du von deinem Telefon weg warst, was irgendwo an der Wand festgeschraubt war, dann hattest du deine Ruhe.

00:07:06: Ja, und es ist auch das, er natürlich, er hat ja diesen Buch rausgebracht, als der Fußball noch Charakter hatte. Und ich glaube, das ist schon auch so was, wenn man das zusammenfassen kann, was er so vermisst oder anprangert, dass er halt sagt, diese Fußballer heute, haben, denen kauft jemand ein Auto, tankt es ihnen voll, macht die Winterreifen drauf und fährt es ihnen sozusagen vor die Haustür. Das heißt, die müssen so wenig Verantwortung für den Alltag übernehmen oder im eigenen Leben, dass man sich dann auch manchmal nicht wundern muss, wenn diese ansonsten hochgezüchteten, super fähigen Maschinen dann aber auf dem Spielfeld manchmal auch keine Verantwortung übernehmen können, weil sie einfach, kennen das gar nicht, sie wissen nichts. Es wird ihnen alles sozusagen ja hingelegt.

00:07:56: Ich habe mal den Uli Hoeneß sagen hören vor Jahren, wenn sie so Spieler von ganz weit weg holen, hat er wörtlich gesagt oder fast wörtlich, denen schicken wir dann die ersten Wochen und Monate jemanden mit zum Einkaufen, damit sie sich nicht Schappi kaufen aus Versehen in der Dose. Weil sie sich hier nicht auskennen.

00:08:14: Ja. Ja gut, das sind natürlich auch teilweise sehr junge Leute. Ich kenne ja auch so einen Spielerberater, der gerade mit solchen viel zu tun hat und der bestätigt das. Die konzentrieren sich voll auf Fußball und die können dann außer Xbox spielen und FIFA oft wirklich nichts. Sie können vielleicht noch ein Rührei machen.

00:08:38: Ich wollte mit dir sprechen über... Also ich wollte von den Social Media und vom Kommunizieren und Zuhören herkommen und mal zum Thema Stadt kommen. Und ich will kurz sagen, welche Verbindung ich da sehe oder über welche ich gerne sprechen würde. Wenn man heute auf die Welt schaut, muss man sich ja die Demokratie machen. Wir sorgen Europa, sorgen auch Deutschland. Ich glaube, der Kern der Demokratie ist doch, dass man eine gemeinsame Wissensbasis hat. Also Dinge, denen man weiß, von denen man überzeugt ist, über die man sprechen kann. Gemeinsame Grundlagen, anhand derer wir ja als Volk Entscheidungen treffen müssen. Wir müssen ja ein Wissen mitbringen, zum Beispiel zu wählen. Die Schweizer können das vielleicht etwas besser als wir, weil sie damit viele Erfahrungen haben. Die werden ja ständig gefragt, zu irgendeiner Entscheidung an die Urne gerufen bei uns. beschränkt sich es ja meistens tatsächlich aufs Wählen. Auch wenn wir jetzt, klar in Baden-Württemberg hatten wir vor vielen Jahren mal Volksentscheid Stuttgart 21 und so, aber in der Regel beschränkt sich unsere Beteiligung aufs Wählen. Und diese Grundlagen, das setzt ja voraus, dass wir miteinander kommunizieren können. Untereinander, aber auch mit einer Regierung oder mit einem Bürgermeister, also zwischen Gewählten und Wählenden. Der Kern dessen, worüber ich gerne heute mit dir reden würde, ist, wie sich das verändert hat. Wie wir heute mit den Menschen reden. Und darüber würde ich gerne mit dir reden. Ich weiß, dass du dich damit sehr gut auskennst. Ich weiß, dass dich das Thema sehr beschäftigt. Und meine erste Frage ist, wenn du heute versuchst, Menschen zu erreichen. Das tust du jeden Tag. Was ist anders, wenn du ihnen live gegenüberstehst auf einer Bühne, also im Saal oder im Gespräch, versus

00:10:13: Hmm.

00:10:33: wenn du ihnen auf YouTube oder Insta begegnest.

00:10:36: Ja, ich glaube, also das, was du gerade angesprochen hast über die Demokratie, da kommt mir sofort ein Gedanke, der damit ganz viel zu tun hat und zwar grob gefasst. sage, wir haben durch die mediale Wirklichkeit sind wir an einen Punkt gekommen, wo Schwätzer noch viel mehr als früher im Vorteil sind gegenüber Machern. Ich muss das ein bisschen erläutern, aber das ist so mein Bild, ich habe. Also es gibt Schwätzer und es gibt Macher. Und ich meine jetzt Schwätzer gar nicht blöd, sondern es gibt sozusagen Leute, die Gedanken haben, finden, man sollte das so und so machen, das und das ist richtig und so und so ist die Wirklichkeit. Das ist die Ebene der Geschichten, nicht das, was ich nicht echte Wirklichkeit nenne, sondern das, was erzählt wird, das, was die Nachrichten erzählen, also überlieferte. Erfahrungen. Und es gibt die echte Erfahrung. Und die echte Erfahrung, die machst du dann, wenn du was machst. Also wenn du Sport machst, wenn du deinen Nachbarn hilfst, eine Tasche hoch zu tragen, wenn du irgendwo ein Werkstück sägst, irgendwas Produktives tust. Das ist für mich machen. wir haben, und das ist natürlich, wenn ich Leute erreiche, auf YouTube auch. Wir bewegen uns immer auf dieser Ebene der Geschichten. Wir erzählen die ganze Zeit Geschichten und diese Geschichten schaffen Wirklichkeit. Das hat Harari in diesem Buch Nexus wunderbar beschrieben. Geschichten machen Nationen, Geschichten machen Kultur, Geschichten machen Religion. Das ist alles Geschichte und zwar machen auch Währung. Und das Entscheidende sind nicht mal die Geschichten, sondern die Interpretationen. Also die Hoheit oder die Macht haben die Leute, die diese Geschichten

00:12:12: Und Währungen auch, ne? Hat er geschrieben.

00:12:24: kuratieren oder interpretieren. Und so geht es uns ja heute auch im ganzen Politischen. was fehlt, nehmen wir mal zum Beispiel die Angst vor dem Fremden, sage ich jetzt mal allgemein. Das ist zu 90 Prozent bei den meisten Menschen eine theoretische Erfahrung. Gott sei Dank. Also es ist eine theoretische Erfahrung. die praktische Erfahrung zu machen, ob dieses Fremde wirklich so bedrohlich ist oder ob da auch was dran ist. Und ich sag das mal mit offenem Ausgang, da gibt es bedrohliches und da gibt es Dinge, die mir nicht gefallen oder so. Aber die praktische Erfahrung im echten Leben mit echten Menschen zu machen, das ist eigentlich das, was uns prägen sollte. Auch unsere Meinungen, unsere Wahlentscheidungen. Aber wir zunehmend treffen diese Entscheidung darüber, was unsere Wirklichkeit ist, aufgrund von Secondhand-Erfahrungen. platt. Das hat angefangen mit Hollywood-Filmen. Der Böse und der Gute. Und der Böse, der Gute darf den Bösen platt machen. Das ist eine fiktive Wirklichkeit, die uns aber prägt. Das ist das, was die Medien machen. Die Zeitungen machen, die... Da könnte ich ein schönes Beispiel aus der Sepp Maier-Geschichte erzählen, wie das funktioniert, wenn dafür noch Zeit ist. Mach ich gleich. Also wie die das zuspitzen. Das ist halt... Das ist eine überlieferte Erfahrung und ich glaube, große Unterschied ist der, dass diese Erfahrung und das weiß ich nun zufällig, weil ich halt da drin bin, die echte Erfahrung bei weitem überwiegen. Dass die meisten Menschen eigentlich hauptsächlich solche Second Hand Erfahrungen machen. mein Beispiel ist immer, keine Ahnung, du bist irgendwie Studierender, dann gehst du den ganzen Tag in die Uni, lässt dir von Professorinnen und Professoren das, was die für dich vorbereitet haben, erzählen. Dann gehst du nach Hause, lernst noch ein bisschen. Das heißt, du konsumierst das, was andere zu dem Thema gesagt haben. Dann spielst du vielleicht ein bisschen ein Computerspiel, gehst ein bisschen durch Instagram und Social Media, schaust ein paar YouTube-Videos und abends noch eine Netflix-Serie. Dann hast du an diesem Tag nicht gelebt. Du hast keine einzige echte Erfahrung gemacht. Und ich glaube, dass es wahnsinnig schwierig ist, eine Demokratie zu erhalten, wenn ... Oder eine Gesellschaft ...

00:14:51: zu gestalten, wenn alles nur davon abhängt, wer die Geschichten kontrolliert. die dahinterstecken, hinter diesem Gemeinschaftserlebnis. Und das ist aber der Fall. Das war schon immer im Ansatz so. Aber seit wir in der Lage sind, Algorithmen und jetzt auch künstliche Intelligenz das so genau zu steuern und auch die Triggerpunkte so genau zu setzen, wir auch gar nicht mehr rauskommen aus diesen Geschichten und sie mit der Wirklichkeit verwechseln, in dem Moment wird es gefährlich. Und das heißt, mein Plädor, Jüris, und damit komme ich zurück zu deiner Frage, das echte Erlebnis, die analoge Bühne, das Publikum, was mir in die Augen schaut, wo ich das Leuchten sehe und was zwar auch Geschichten von mir erzählt kriegt, aber immerhin in Fleisch und Blut. Und ich kann auch Fehler machen. Und ich habe eine ganz andere, eine ganz andere Authentizität, als ich das in einer Inszenierung, wie es ein Video ist, haben kann.

00:15:56: spielt es dafür eine Rolle, dass die Leute was tun müssen, zu dir zu kommen? Also du musst ja dann irgendwie eine Karte kaufen, eine Jacke anziehen, dich irgendwie dahin bewegen, triffst andere Leute, sitzt dann irgendwann auf deinem Platz, spielt das eine Rolle? Ist das das, du meinst?

00:16:10: Ja, auch. Wir hatten gerade Diskussionen mit dem Oskar. Ich habe mit ihm gerade was aufgenommen für Sonntag, wo wir die Frage besprochen haben, warum eigentlich ein Buch? Ließ denn überhaupt noch jemand ein Buch? Was ist denn bei einem Buch der Unterschied? Und das ist eine Nuance. Aber das, wir bei unseren Videos machen, wirklich... Also ich weiß inzwischen, es funktioniert nur so. Ich muss das Thumbnail von meinem Video und den Titel so gestalten, dass sofort... Man nennt das eine Information Gap. Also ich will da was wissen. Und deswegen klicke ich da drauf. Und wenn ich da drauf geklickt habe, dann muss ich in den ersten 30 Sekunden sofort bestätigen, du bist hier richtig. Dann muss ich Dopamin erzeugen, dass der Lust kriegt, das weiter zu gucken. Und dann muss ich einen Loop setzen, das heißt, ich muss eine offene Frage setzen, die ihn mindestens mal die nächsten 10 Minuten am Leben erhält. Das muss ich in einem Video, weil sonst ist der sofort weg. In einer Live-Veranstaltung habe ich es noch nicht so oft erlebt, dass jemand rausgeht. Bei einem schlechten Theaterstück gibt es sowas, aber du wischst nicht sofort sozusagen die Bühne zur Seite, die Schwelle ist viel höher, du hältst auch viel mehr aus. Du bist geduldiger und diese Ungeduld in den Medien ist sicherlich komplett anders. Und bei dem Buch kommt jetzt noch der Punkt dazu, klar, du könntest das alles so subliminal aufbereiten, dass derjenige, jetzt was über das Erwachsenen werden lernen will, sich möglichst nicht anstrengen muss, dass das so wie von selber in den Rhein fließt. Du machst immer schön wieder einen neuen Loop auf, dann erzählst ihm das wieder, bis die nächste Frage aufpoppt und so. Und so geht es dann ewig. So würde man es bei einem Video machen. Dann hast du hinterher wahnsinnig viel aufgenommen, aber du hast dich nicht damit auseinandergesetzt und alleine die Beteiligung, dass du dieses Buch hast, in die Hand nimmst und dich jetzt sozusagen damit beschäftigt und du jetzt aktiv daran bleiben musst diese Zeilen zu lesen. Alleine diese Aktivität, die du aufbringst, dich mit dem Thema zu beschäftigen, gewährleistet am Schluss, dass du auch was davon mitnimmst. Sonst fließt es so durch dich hindurch und das ist das, wir mit Social Media eigentlich machen. Wir lassen es durch die Leute durchlesen. Bis dahingehend, sitzt, kennst du auch, wahrscheinlich, weiß ich nicht.

00:18:26: Also dass du auf dem Klo sitzt, kennst du auch, aber dass du auf dem Klo sitzt und Instagram streams und irgendwie nach 20 Minuten denkst, oh jetzt ist mir der Arsch eingeschlafen, was ist denn passiert? Ja dann stellst du fest, ja da ist einfach 20 Minuten was durch dich hindurch geflossen, was angenehm war, du erinnerst dich aber nicht mehr.

00:18:44: Ich denke, das kennen die meisten Leute, die Insta-Jewie-Nutzern kennen, dass du da irgendwie verloren gehst und dann irgendwann in die Realität zurückkehrst. Aber wenn ich jetzt nochmal auf die Frage zurückkomme, miteinander reden, mit den Menschen sprechen. Also wir sind eine Gesellschaft, wir sind eine Kommune. Also gemeinsam, man muss Dinge gemeinsam tun. Wir wissen auch alle, was eine Bubble ist. Wir haben das schon erfahren. In einer Bubble, du wirst irgendwie digital

00:18:50: Mhm.

00:19:12: isoliert von den anderen. bist auf einmal in einer kleinen Gruppe und wenn du dann rausgehst, stellst du fest, ich war in einer Bubble, weil da draußen gibt es noch ganz viele, die sind irgendwie anders, die denken anders oder die sehen die Dinge anders. Und wir sind uns ja vermutlich einig, dass du eine Demokratie nicht überleben kannst, die aus lauter Bubbles besteht, sondern eben das, was du gerade von der Bühne beschreibst, ist doch mit einem, also keine Ahnung, nehmen wir einen Wahlkampf. Du kannst doch

00:19:22: Mhm.

00:19:38: Es ist doch ein Riesenunterschied, ob du irgendwie ein paar Snippets in irgendwelchen Social Media mit so paar Schlagzeilen-Dingern geliefert kriegst oder ob du aktiv rausgehst, Podiumsdiskussion von Kandidatinnen und Kandidaten oder was auch immer. Und du kriegst ein viel vollständigeres Bild und du bist, wie du sagst, viel mehr committed und du kannst es auch nicht wegwischen, sondern alles das, was du gerade gesagt hast, lässt sich ja eigentlich auch auf Politik übertragen. Was heißt das jetzt? Verlieren wir gerade den... Verlieren wir gerade den gemeinsamen Raum oder ist es zu pessimistisch?

00:20:12: Das finde ich nicht so pessimistisch. habe das auch kürzlich mal mit jemandem besprochen. Ich habe so das Gefühl, wir so also nicht mal Konstanz, der Konstanzer haben wir schon immer gefragt, wer ist denn eigentlich der Konstanzer? Und das ist aber eine wichtige Frage. Also die die wichtige Frage ist, welche. Also gibt es etwas, was wir Konstanzer sozusagen als gemeinsame Kultur erleben? Das ist eine wichtige Frage, weil wenn du mal so Bild nimmst von so einem Haus, dann könnte man sagen, als ich 1967 geboren wurde, da war das, sagen wir mal, so eine schöne Villa im Musikerviertel und die wurde halt von Konstanzern bewohnt und dann ist an dem Haus, dann sind mehr junge Leute dazugekommen, Studierende dazugekommen, die geblieben sind mit jungen Familien, dann sind... Menschen mit Migrationshintergrund dazugekommen. Und jetzt haben wir aber eigentlich ein Haus, was aus vielen einzelnen Wohnungen besteht und die Leute haben eigentlich nicht mehr so viel miteinander zu tun. Und die Frage ist, wo erleben die sich als eine Gemeinschaft? Was ist das Identitätsbildende? Und zwar jetzt, da wird immer viel Engagement gefordert von der Politik, aber das ist dann meistens halt doch Interessensvertretung. Das machen die Leute dann schon, dass sie sagen, hier will ich jetzt aber kein Haus und da soll der Baum stehen bleiben und dann engagieren sie sich. Das ist aber nicht das, ich meine, sondern die Frage ist, wie kommen wir auf diese Basis und da weißt du, da habe ich damals zum Beispiel, also ich glaube, wir brauchen immer gemeinsame Erlebnisse, Gemeinschaft zu erzeugen. Ganz pragmatisch Erlebnisse. Wir müssen uns als eine Gemeinschaft erleben. Und mein Versuch oder Ansatz war ja damals es mit den Konstanzer Welten, wo wir einfach wirklich durch die unterschiedlichsten Arten von Vereinen, Einrichtungen und Unternehmungen in dieser Stadt gegangen sind und daraus eine Show gebaut haben, die wir sozusagen der Stadtgemeinschaft vorgestellt haben. Schaut mal, was wir alles sind. Also die Vielfalt zu zeigen, aber auch gleichzeitig das Erlebbar zu machen. Das alles sind wir.

00:22:24: Ich glaube, dass du sowas nicht erreichst mit, tut mir jetzt leid, also auch nicht mit einem Gemeindeblatt oder sowas, oder am ehesten mit sowas wie mit einem Bürgerempfang, wo man wirklich auch mal breit einlädt und dann aber auch irgendwie sieht, aha, das alles sind wir. Und dann vielleicht auch mal feststellt, dass man eine Basis hat, dass es nicht gleich auf den Konflikt drauf ankommt. Das ist wie in der Familie ja auch.

00:22:51: Mhm.

00:22:54: gleich an der Stelle bist, dass ich sage, mir gefällt es jetzt aber nicht, dass die Studierenden da an der Seestraße rumliegen und baden gehen. Dann dann komme ich eigentlich immer nur in den Kontakt über den Konflikt. Also wenn was nicht funktioniert. Und die Frage ist, wie schaffen wir ein Gemeinschaftsgefühl vor dem Konflikt? Also das tägliche Miteinander-Abendessen wäre das jetzt oder dass ich meinem Sohn oder meinem Bonussohn jeden Abend was vorlese. Weil dann kann ich auch mal sagen, hör mal das und das das passt mir nicht. wo haben wir diese Grundlage, die Gemeinschaft schafft?

00:23:33: Aber unsere ganzen Social Media Algorithmen belohnen ja eigentlich den Konflikt. Die funktionieren ja erst dann richtig gut, wenn schon mal Empörung oder schlechte Downing im Spiel ist.

00:23:38: Absolut.

00:23:43: Polarisierung.

00:23:45: Jetzt, glaube ich, haben wir beide schon mal zueinander den Satz gesagt in irgendwelchen anderen Gesprächen. Man kriegt die Leute nicht mehr vom Sofa und das berichten ja viele. Ich weiß es von Lesungen, dass es heute heißt, also wenn du überhaupt noch irgendwie eine Lesetour, eine Lesereise als Autor machst, das macht dann jemand wie Thomas Gottschalk. Der kriegt vielleicht noch irgendwie in einer normalen Mittelstadt oder kleinen Großstadt oder so die Leute. abends dazu, dass sie um 19 Uhr nochmal losgehen in die Buchhandlung und sich anderthalb Stunden was anhören. Aber man sagt ja so, man kriegt die Leute nicht mehr vom Sofa. Ist das so? Ändert sich das wieder? War das Corona, was ist passiert? Kannst du dazu noch was sagen? Hast du da eine Meinung dazu?

00:24:28: Ja, also ich hoffe, dass es sich wieder ändert. Man kann es ganz klar sagen, weil letztendlich auch solche Sachen wie die Bückler Musik Talkshow oder sowas, was wir gemacht haben oder was ich gemacht habe, das waren ja solche Formate und es hat ja funktioniert. Also da kamen ja jetzt keine Tausende, aber mal ein paar Hundert kamen zu solchen Veranstaltungen. Das war vor Corona. also das hat sich schon in den letzten zehn Jahren, ich meine, ich bin nun

00:24:47: Das vor Corona.

00:24:56: dummerweise Kulturschaffender und Veranstalter und das ist sicherlich eine der bescheuerten Branchen, die es gibt, schon immer gewesen. Also es hat noch nie funktioniert wirtschaftlich und das Dumme ist, dass es seit Corona natürlich noch viel, weniger funktioniert. Das ist schon so. Ich habe aber die

00:25:14: Deshalb reicht es in den digitalen Raum aus eigentlich.

00:25:18: Ja, und die Gefahr ist eigentlich eher, die Gefahr ist für mich eher an dem Punkt, wo, das hat wieder was mit echten Erfahrungen zu tun, wo der Mangel gar nicht mehr empfunden wird. eins der Beispiele ist immer, ich habe mal auf TikTok so eine ganze Weile Deutschrap am Klavier so ein bisschen altmodisch dargestellt, was die Jungen ganz cool fand. Und da habe ich ein Lied von Bausaar gesungen. Das ist jetzt ein bisschen technisches Detail, aber ich finde es gar nicht unwichtig. Ich habe ein Lied von Bausa gesungen und dann schrieben einige darunter, ich hätte unsauber gesungen. Jetzt muss man wissen, dass Bausa beim Singen... Genau, genau. Der hat ein extrem stark eingestelltes Korrektursystem für die Stimme. Das heißt...

00:25:58: Ebi, gib mir mehr von dem, was du Liebe nennst.

00:26:07: Also das klingt unnatürlich gerade und sauber. Das klingt fast schon wie wenn man eben Tasten auf ein Klavier drückt, was du beim Singen nie kannst. Das ist ein technischer Effekt, das ist ein stilistisches Mittel. Aber wenn du das oft genug hörst, dann weißt du offensichtlich als Kind oder Jugendlicher gar nicht mehr, dass echtes Singen gar nicht so gehen kann. Ja, ja, ich kann schon singen, aber du kannst nicht so sauber singen, wie du es technisch stilisiert machst.

00:26:29: was du ja wirklich beherrschst.

00:26:36: Und das ist so bisschen die Gefahr, wenn der Mangel gar nicht mehr empfunden wird. die Leute, was haben die mir alle erzählt? Ja, Webinare seien doch genauso geil wie Seminare. Nein, sind sie nicht. Sind sie nicht. Und es ist nur, wenn du die Sensibilität nicht dafür hast, was es für ein Unterschied ist, ob wir jetzt im Raum miteinander sind und du riechst, was ich gestern Abend gegessen habe, was auch immer. Also das ist halt eine unterschiedliche Qualität von Gemeinschaft. Und wenn du das nicht mehr erlebst und lange genug nicht mehr erlebt hast, dann kann es sein, und das ist der gefährliche Punkt, dass du das auch gar nicht mehr als Mangel empfindest. Und meine Sehnsucht oder Hoffnung ist schon, ehrlich gesagt, noch abschließend, dass gerade durch KI, gerade durch die komplette Beliebigkeit von dem, was du da auf dem Bildschirm siehst, also ich kann dir jetzt unser Gespräch auf Englisch übersetzen und LipSync, also Lipen Synchron. Reden wir plötzlich Englisch, das kann die KI. Und das kann die in zwei Jahren, sodass du es nicht mehr merkst. Und die kann dir auch Videos erstellen. Du wirst dann hingehen und wirst sagen, ich hab jetzt noch 47 Minuten Zeit, ich möchte gerne einen Krimi sehen mit einer blonden Hauptdarstellerin. Es soll nicht allzu viel Gewalt geben, am besten kein Blut und so Drogenmilieu wäre schön. Dann wird dir die KI für dich, das ist nicht mehr so lange hin, wird die für dich dir diesen Krimi bauen. So. Und... Das heißt, wirst hoffentlich wissen, dass das, was du dort siehst, die Wahrscheinlichkeit, dass es nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, auch in einem Social Media Bereich oder ein Werbevideo von einer Firma, du wirst irgendwann mal wissen, das alles gibt es nicht. Die Leute gibt es nicht, die Erfahrungen gibt es nicht, das Testimonial gibt es nicht, die Figur, die dir dieses Produkt vorstellt, gibt es nicht. Und ich glaube schon, dass die Sehnsucht erwachen wird, wieder Menschen echt zu erleben. Es gibt sicherlich Wirtschaftsbereiche, wo das egal ist, aber es gibt ganz viele, wo du am Schluss ja doch einen Kundenkontakt hast und wenn du dann plötzlich feststellst, der kann ja gar nicht reden, dieser Coach oder so, dann das funktioniert nicht. Und ich glaube deswegen, es wird eine Sehnsucht geben zu echter Begegnung. Ich hoffe auch, analoge Veranstaltung, darauf richte ich mich ein. Ich habe nur das Problem noch nicht gelöst.

00:28:59: Wie kann man das wirtschaftlich machen? Und das abschließend, so eine Tour mit dem Sepp Maier achtmal sehr gut besucht, ist wirtschaftlich eine Katastrophe. Also du musst froh sein, wenn du nicht drauf zahlst. Weil alles andere, was nicht diese Show ist, so viel Geld kostet. Die Reiserei, der Raum, die Technik, die Gebühren, jeder will irgendwas von dir. Und am Schluss ist es wirklich so, du hast dann... Acht mal einen schönen Abend mit vielen Leuten, die happy sind und du hast unterm Strich Null. Und das ist eigentlich das offene Thema. Die Sehnsucht besteht, glaube ich, bald wieder.

00:29:37: müssen wir was für tun. Weil umgekehrt habe ich gerade zu meiner großen Überraschung gelernt in einer Börsenanalyse. Also OpenAI will jetzt ja ChatGPT Erotikfunktion, also noch ein digitaler Buddy, wie auch immer das genau funktioniert, aber jedenfalls noch darüber hinaus, was heute wohl schon ziemlich etabliert ist, dass Leute sich ein Buddy suchen, eine Partnerin, ein Partner, ein Avatar.

00:30:05: Hmm.

00:30:05: Und es sind heute schon mehrere hundert Millionen Menschen auf der Welt, habe ich dort gelernt, die permanent mit einem solchen Avatar leben. Also miteinander ins Bett gehen, in dem Sinne, dass sie sagen, komm mit mir ins Bett, ich will heute Nacht nicht einsam sein, die als erstes morgens da sind. Eine Person, die dich perfekt versteht, die dich genau kennt. Wenn man mit GPT arbeitet, weiß man, dass GPT einen sehr schnell sehr gut kennt.

00:30:29: Hm? Hm?

00:30:31: Und das finde ich schon auch eine krasse Entwicklung, die darüber ja noch hinausgeht.

00:30:36: Absolut. Das Gute ist, die sterben ja dann aus. Die nur mit dem Avatar ins Bett gehen. Ist ja freie derzeit.

00:30:40: Wer stirbt aus? Das stimmt. Das mit der Fortpflanzung, das kriegt Open AI und auch Elon Musk wahrscheinlich nicht so schnell hin, das anzunehmen. Ich habe mir eine Spielidee geklaut aus einem anderen Podcast, fangen wir an, hieß der Podcast. Da war ich mal als Gast. Schnelle Fragen, schnelle Antworten. Hast du Lust zu spielen? Kleines Spiel? Musik oder Lesen?

00:31:06: Absolut, ja. Musik

00:31:11: Urlaub online oder offline?

00:31:17: Nächstes Mal geht es nicht Urlaub, wenn du offline bist.

00:31:17: Offline! So?

00:31:26: Wein oder Wasser? Wasser oder Kaffee? Tesla oder BMW? Klavier oder Gitarre? Springsteen oder Metallica?

00:31:35: Klär ja. Springsteen!

00:31:41: Classic oder Rock'n'Roll? Große Bühne oder kleine Kammermusik?

00:31:52: Das eine große Bühne.

00:31:54: Optimistisch oder skeptisch? Lieber Sommer oder lieber Winter?

00:31:55: optimistisch.

00:32:01: iOS oder Android?

00:32:03: iOS.

00:32:05: Zu Hause bleiben oder ausgehen?

00:32:07: Ausgehen.

00:32:09: Fleisch oder VEGGI?

00:32:16: Das

00:32:17: Couch oder Sport? Fernsehen oder Podcast?

00:32:24: Okay, das war kurz. Wir kommen beide aus Konstanz. Du hast das schon mal gesagt. Du von der Bühne, ich aus dem Rathaus. Du hast gerade gesagt, wir in Konstanz. Du kommst viel rum. Du bist gerade wieder von Natur durch so Mittelstädte eigentlich gekommen. Ist das jetzt bei uns? Sind wir in dem Sinne, was wir besprochen haben als Gesellschaft oder als Stadt? Ist es hier bei uns im Süden anders als Köln?

00:32:25: Das war jetzt mal kurz für mich,

00:32:42: Mmh.

00:32:53: Beispiel oder Berlin? Kannst du dazu was sagen? Hast du deine Wahrnehmung aus der Perspektive des Unterhalters?

00:33:06: jetzt wird dir nicht gefallen, aber ich ich bin viel in Konstanz und ich bin auch gerne hier. Ich habe schon immer gesagt, man kann gut in Konstanz leben, wenn man oft genug rauskommt. Aber ich kann so einen Vergleich nicht so ziehen, weil ich gerade im Moment und muss man auch sagen, seit Corona nicht mehr so in dieser Stadt bin. Ich bin in meinem Haus, aber ich gehe auch nicht in die Stadt. Ich habe wenige Auftritte hier, wo ich jetzt das sagen könnte. Also was ich sagen kann ist, wir haben zum Beispiel auf unserer Tour den bestbesuchten Auftritt in Wurmlingen gehabt. Und das ist für mich schon ein typisches Symptom, wie wir hier auch. Also wenn du willst, dass viele Leute kommen, dann ist es manchmal besser, du machst es in Radolfzell. Weil da ist nicht ständig was und da freut man sich so ein bisschen, dass was geboten ist.

00:33:45: Okay.

00:33:57: weil da nicht jeden Abend irgendwas los ist.

00:34:05: In Konstanz ist es schon so, das war auch schon früher so vor Corona, unseren Veranstaltungen haben wir immer gesagt, nimm mal die Konstanzer Welten, da passen in die Halle 1200 Leute rein und so 600 kamen immer, was bei 350 Mitwirkenden auch nicht so schwierig ist. Und dann ist halt so, gucken wir mal, wenn es wetterschön ist, also so. Dann gehen wir auf den See und sonst... Ach, da ist ja noch eine andere Veranstaltung. Ach, ist ja noch Jazz Downtown. Ja gut, dann blieb's bei 800. Wenn das Wetter, ich sag mal, trocken, aber bewölkt und ein bisschen kalt, dann konntest du auf 1200 Leute kommen. Wenn's geregnet hat, dann sind sie nicht mehr gekommen. Und wenn's schön war, sind sie auch nicht mehr gekommen. Also, das ist so fürs Gefühl. Also, die Leute sind dankbarer in anderen Orten. Wenn jetzt mit Köln... vergleist. Ja, in Köln finde ich, das kann man so auch nicht sagen. Da hast du halt die Crackies, die auf dem Boden sitzen, gerade bei meinem Sohn die Ecke, die jetzt hier bei uns Gott sei Dank noch nicht so rum sitzen so viel. Dafür hast du insgesamt das Gefühl, dass die Leute eher entspannt sind und so nett zueinander und so ganz okay. Was sie in Konstanz nicht sind, denn Konstanz sind sie eher... Weiß nicht, trifft man da Konstanzer? Ich bin jetzt böse, aber ich nehme die Gelegenheit wahr. Da sind halt viele Touristen und Einkaufsmenschen und so und die, also ich könnte jetzt nicht sagen, wo ich den Konstanzer treffe, aber ich glaube der Konstanzer inklusive mir ist doch vom Prinzip her eher ein bisschen muffig, oder?

00:35:51: Ich würde sagen, in Konstanzer trifft man sehr zuverlässig bei der Fassnacht. ich glaube, weil wir da vorhin drüber sprachen, was gibt es an gemeinsamen Engagement. Die Fassnacht ist so extrem niederschwellig und die ist in Konstanzer so mitreißend. Du kannst ja nur entweder weg sein oder mitmachen bei der Fassnacht. Und ich glaube, dass das was mit einer Gesellschaft oder mit einer Stadt macht. Also ich bin zumindest auch aus diesem Aspekt sehr froh, dass wir eine Fassnacht haben, weil ich mir vorstelle, du wohnst irgendwo

00:36:08: Ja.

00:36:20: wo es das gar nicht gibt und es einfach nur nicht stattfindet, da glaube ich fehlt schon enorm was. Und diese paar Tage, wo man irgendwie irgendjemanden in der Stadt trifft, sich im Arm hält, miteinander irgendwas trinkt oder meinetwegen auch knutscht oder tanzt oder einfach irgendwas miteinander macht. Die Kinder sind dabei, die Oma ist dabei, man hat sich als irgendwas verkleidet. Das ist schon ein tolles Gemeinschaftserlebnis im Sinne dessen.

00:36:22: Hm? Mhm.

00:36:44: Mh-mh.

00:36:48: worüber wir auch gesprochen haben, einfach zusammenkommen und irgendwie feststellen, es gibt noch Menschen, die sind ganz anders als ich, in welcher Hinsicht auch immer.

00:36:56: Das stimmt, das finde ich auch einzigartig. auch auf verschiedensten Ebenen kann man ja Fassnacht feiern und ich habe alle mal irgendwann gehabt. Also die Saalfassnacht, die Veranstaltungsfassnacht, die Straßenfassnacht, das sind ja ganz unterschiedliche, die Fernsehfassnacht, da ich auch schon aufgetreten. Also ich bin jetzt auch nicht immer wahnsinnig dabei, aber das stimmt schon und ich finde es auch ein Symptom, wenn man, es gibt ja auch Konstanze, die inzwischen die gar nichts

00:37:05: Mhm.

00:37:10: Die Fernsehpass nach, bist du auch schon auf die Fahnen.

00:37:23: mit der Fastnacht zu tun haben, oder die das ganz blöd finden. Ich meine, ich war lange am Theater und da war das so ein typisches Ding. Also die Theaterleute haben sich damit überhaupt nicht identifiziert. Klar, die verkleiden sich sowieso jederzeit. Insofern ist das nicht so attraktiv. Aber ja, das ist tatsächlich wahrscheinlich sogar der, was ich vorhin gesagt habe, gemeinsame Erlebnisse. Wahrscheinlich sogar das gemeinsame Erlebnis. Weil ich finde schon, man muss auch unterscheiden, viele Städte, auch Konstanz, viele Veranstaltungen. Aber davon sind halt viele

00:37:31: Okay.

00:37:53: oder die meisten nach außen gerichtet. es ist oft jetzt auch in Konstanz, finde ich, in den Diskussionen ganz viele Sachen sind halt eigentlich eine Marketing Frage. beschäftigt sich damit auch der Tourismus und Marketing. Also nach außen darstellen oder Leute herbringen zum Seenachsfest, größten Flohmarkt und so weiter. Und was sind die Sachen, der Gassenfreitag? Also was ist das, wir uns erleben?

00:38:09: Ja. Als Besteuung.

00:38:20: Der Flohmarkt, wo 80.000 Menschen zusammenkommen. Und es ist in der Regel dann nicht kommerziell. Es sind genau die Dinge, die irgendjemand auf die Beine stellt, nicht weil er Geld verdienen will, sondern offenbar aus irgendeinem anderen Grund. Also es gibt noch ein weiteres Motiv. Und dieses weitere Motiv ist, du willst da irgendwie hin, weil es Spaß macht. Das ist ja deutlich zu spüren. Also wir kommen am Ende wieder an den Punkt, wo wir angefangen haben. Es geht darum, dass Menschen sich erreichen und sich sehen und sich begegnen. Wir haben darüber gesprochen, wie sich das aus unserer Perspektive derer, zweier Leute, die das mit viel Erfahrung schon aus unterschiedlicher Perspektive seit vielen Jahren machen und damit Erfahrung haben. Eine letzte Frage, das Buch, das du mit Oscar geschrieben hast. Kommt irgendetwas in dieser Hinsicht darin vor? Sprecht ihr über Politik oder Zusammenhalt oder Engagement? Gibt es irgendeinen Punkt darin? Braucht man das in einem Survival Guide oder seid ihr nicht in Richtung Politik und Gesellschaft gegangen?

00:39:29: Also der Oscar ist noch unpolitischer als ich. Der ist da gar nicht so fit zu haben. Ich glaube, ist ihm fremd und unbekannt. Es gibt ein ganzes Kapitel, das heißt, was die Seele braucht. was die Seele... Das ist eigentlich mein Thema, deswegen gibt es dieses Kapitel auch. Und da geht es natürlich auch...

00:39:48: Okay, kein Thema.

00:39:56: um Zielsetzung und Motivation und so weiter. Aber da geht es schon auch um Gemeinschaft, um soziale Medien, um Freundschaft. Und so etwas kommt schon auch immer wieder vor. Eher vielleicht auch so an so einem Punkt, also aus Erfahrungen, der Oscar zum Beispiel hat. wenn es darum geht, wie halte ich mein Geld zusammen, dann stellt man halt fest oder auch er stellt fest, dass viele konsumieren, um anderen zu gefallen oder die Shampoos-Flasche sich leisten, die sie sich nicht leisten können, damit mit anderen sozusagen in Kontakt zu sein. Und das ist ja auch so ein Punkt. Also wie finde ich meinen Part in der Gesellschaft? Wie komme ich von dem, ich muss eine Rolle spielen oder was beweisen oder was behaupten zu sein, erstmal überhaupt zu dem Punkt, dass ich selber bin? Und ich glaube, dass das Und deswegen ist das vielleicht der allererste Anfang von Demokratie, Gesellschaft, aber der Anfang, der oft gar nicht gegeben ist, dass überhaupt dich einzubringen in eine Gesellschaft, musst du erstmal mit dir selber im Reinen sein. das sage ich jetzt mal, da musst du jetzt keine Beispiele nennen, aber das weißt du als Oberbürgermeister sicherlich auch, wie viele Leute sich eben einbringen. Und das ist nicht gut, weil sie halt nicht mit sich im Reinen sind, weil sie halt irgendwas verhandeln. was sie eigentlich auf einer anderen Ebene verhandeln müssten. Und in diesem Sinne hat das Buch ganz am Anfang von Gesellschaft oder Demokratie setzten Punkt auf jeden Fall.

00:41:33: Ich bin gespannt darauf, zu lesen. Was für ein schönes Schlusswort. Ich danke dir, lieber Tobias. Wir klettern langsam wieder aus dem Baumhaus runter. Es ist gut, mit jemandem zu sprechen, der die Welt nicht nur anschaut, sondern sie hört, spürt, übersetzt, zurückgibt. Am Ende geht es Begegnung und geht einander zuhören.

00:41:38:

00:41:58: Hier oben zwischen den Blättern und unten auf dem Marktplatz. Danke, dass ihr alle mit dabei gewesen seid. Wenn euch das Gespräch gefallen hat, lasst dem Baumhaus ein paar gute Signale da abonniert, teilt, erzählt es weiter oder kommt einfach wieder vorbei, wenn wir beim nächsten Mal wieder einen Gast ins Baumhaus holen. dahin, atmet einmal durch, schaut euch eure Stadt an, eure Umgebung, eure Menschen und vielleicht entdeckt ihr irgendwo ein kleines Baumhausgefühl im Alltag. Bis bald, euer Uli.

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