Ulis Baumhaus #3 - Uli, was meinst du mit einem Menschenschutzgebiet? /Teil 2

Shownotes

In dieser Folge nehme ich euch mit in die zweite Hälfte meines Buchs "Menschenschutzgebiet" und zeige, warum der Mensch Teil der Natur ist – nicht ihr Gegner. Gemeinsam entdecken wir, wie Städte zu produktiven, nachhaltigen Lebensräumen werden können, in denen Mensch und Umwelt profitieren. Ich spreche offen über die Herausforderungen des Naturschutzes, erzähle persönliche Geschichten und skizziere meine Vision einer Stadt, die uns alle einlädt, aktiv mitzugestalten. Welche Rolle spielen Urban Farming, soziale Netzwerke und erneuerbare Energien für die Stadt der Zukunft? Hört rein und lasst uns gemeinsam herausfinden, wie wir das Menschenschutzgebiet erschaffen, in dem wir leben wollen.

Menschenschutzgebiet (Buch)

https://www.penguin.de/Buch/Menschenschutzgebiet/Uli-Buchhardt/Goldmann/e619180.rhd

Manufactum

https://www.manufactum.de/

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)

https://www.wbgu.de/

Weltbank

https://www.worldbank.org/de

Jan Gehl

https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Gehl

Enrique Peñalosa

https://de.wikipedia.org/wiki/Enrique_Pe%C3%B1alosa

Cradle to Cradle

https://de.wikipedia.org/wiki/CradletoCradle

Urban Farming

https://de.wikipedia.org/wiki/Urban_Farming

Stadt Singapur

https://www.sfa.gov.sg/food-farming/sgfoodstory/30by30

Milan Urban Food Policy Pact

https://www.milanurbanfoodpolicypact.org/

nebenan.de

https://nebenan.de/

Transkript anzeigen

00:00:13: Hallo und herzlich willkommen in Uli's Baumhaus.

00:00:16: zur Folge drei Uli.

00:00:19: Was meinst du mit Menschenschutzgebiet?

00:00:21: Und das hier ist Teil zwei von zwei Teilen zu diesem Buch Menschenschutzgebiet.

00:00:29: Ich habe euch in der letzten Folge erzählt, wie mein Buch Menschenschutzgebiet entstanden ist.

00:00:33: Und wir haben gemeinsam in die ersten beiden Kapitel reingehört, das Kapitel eins, das heißt Dorf und das Kapitel zwei, das heißt Natur.

00:00:41: Und heute geht es weiter mit der zweiten Hälfte des Buches, ich möchte euch ein bisschen tiefer mitnehmen in die Gedankenwelt des Buches hinein in die weiteren drei Kapitel, Markt, Stadt und schließlich Menschenschutzgebiet, das letzte, das vielleicht wichtigste Kapitel.

00:00:59: Und darin geht es um, es geht um Geld, um Werte, um Politik, um unser Zusammenleben in der Stadt und um die große Frage, wie wir als Menschen künftig leben wollen in einer Welt, die sich gerade rasant verändert.

00:01:12: Also macht es euch bequem, lehnt euch zurück oder geht eine Runde spazieren und kommt mit mir nochmal rein ins Menschenschutzgebiet.

00:01:24: Ich beginne den dritten Teil mit dem Titel Markt mit einer persönlichen Geschichte, nämlich ich habe ja Forstwirtschaft studiert in Wein-Steffan und beginne jetzt hier vom Ende des Studiums an zu erzählen.

00:01:40: Für mich war schon vor dem Ende des Studiums klar, dass ich nicht in der Bayerischen Staatsforstverwaltung arbeiten wollte.

00:01:46: Nach dem zweiten Praxissemester wusste ich, dass mir dieser Job zu eng sein würde.

00:01:50: Noch heute höre ich einen alten Förster zu mir sagen.

00:01:54: Der Mantel der Staatsforstverwaltung ist eng, aber warm.

00:01:57: Also für mich genau das falsche.

00:01:59: Aber trotzdem war dieses Studium die richtige Entscheidung.

00:02:02: Es war gut investierte Zeit und genau wie meine Landwirtschaftslehre unglaublich interessant.

00:02:08: Ich habe zum Beispiel gelernt, wie empfindlich und störungsanfällig die leistungsstarken Monokulturen im Wald sind, genau wie in der Landwirtschaft.

00:02:16: Wälder sind, wie alle anderen Ökosystemen, nur dann stabil, wenn sie gemischt sind.

00:02:21: Große und kleine, Laub- und Nadelholz, alte und junge, starke und schwache, und so weiter.

00:02:27: Die Ökologie, die Wissenschaft vom Haushalt der Natur ist für mich eine der spannendsten Disziplinen überhaupt.

00:02:34: Und ich glaube, sie ist nicht die schlechteste Schule für das Verständnis.

00:02:38: von Stadtentwicklung.

00:02:41: Ich wollte also nicht Revierleiter werden, sondern mich nach dem Studium selbstständig machen.

00:02:45: Ich wollte freiberuflicher, forstlicher Gutachter werden.

00:02:48: Von Verbiss bis Waldwert Gutachten gab es viel zu tun und das reizte mich.

00:02:52: Ich arbeite darauf gezielt zu, lernte die Betriebswirtschaftlichen, die Steuerlichen, die rechtlichen Grundlagen.

00:02:57: Ich lernte Marketing.

00:02:59: Ich bereitete mich auf die Selbstständigkeit vor.

00:03:01: Und dann fiel mir wenige Wochen vor dem Ende meines Studiums ein Katalog von Manufaktum vor die Füße.

00:03:10: So etwas hatte ich noch nie gesehen.

00:03:11: Ein Kilo schwer, ein Schneeweißer Umschlag aus edlem Papier, außen drauf, sechs erstklassig fotografierte, aufs Produkt reduzierte quadratische Bilder, eine immerierte Leuchte, ein Herrenschuh, ein Backelit Stift, ein Holzstuhl, ein Paravon und eine Nomosuhr.

00:03:31: Ansonsten einfach weiß.

00:03:34: Genauso wie wenige Jahre später dann die Startseite von Google sein würde.

00:03:39: Weiß, und geradezu spektakulär aufgeräumt.

00:03:42: Eine Oase der Ruhe, der Orientierung und der Ästhetik im allgegenwärtigen Lärm der Werbung.

00:03:50: Und innen drin, Besteck aus Silber, Bleistiftspitzer aus massiven Messing, geschmiedete Eisenpfannen, rahmengenähte Schuhe, Möbel aus Kirschholz, geschmiedete Messer, altes Spielzeug, Bücher, eine Handhebel Espresso-Maschine, wohlgemerkt im Jahr Eine Schönheit von einer geschmiedeten Axt und vieles mehr.

00:04:12: Es hörte nicht auf.

00:04:13: Ein Fest der Qualität, der Ästhetik, der Nachhaltigkeit.

00:04:17: Ich war schockverliebt.

00:04:22: Ich lieh mir den Katalog aus und las ihn Seite für Seite.

00:04:25: Die Texte waren damals schon berühmt.

00:04:26: Manchmal kurz und knapp, manchmal trocken und sarkastisch, manchmal ausschweifend, erzählend, manchmal einfach witzig.

00:04:33: Meine Begeisterung hielt an, wie wäre es wohl, da zu arbeiten?

00:04:36: Wie wäre es wohl, sich den ganzen Tag mit solchen schönen Produkten beschäftigen zu dürfen?

00:04:42: Und tatsächlich, die Chance kamen wenige Wochen drauf.

00:04:44: Ich hatte mir einen eigenen Katalog bestellt und mit diesem kamen die neusten Hausnachrichten.

00:04:50: Was für ein Zufall.

00:04:51: Manufakt umsuchte jemanden, der das Projekt alte Kulturpflanzen nach mehreren Fehlstaats zum Fliegen bringen würde.

00:04:59: Bisher war man immer entweder an fachlichen, an juristischen oder an logistischen Hürden gescheitert.

00:05:04: Ich bewahrt mich.

00:05:06: Noch schnell mein Diplom machen und dann Produktmanager beim Manufaktum werden.

00:05:10: Das wäre perfekt.

00:05:14: Und so kam es, dass ich tatsächlich und ausgerechnet in einem maximal schmucklosen Gewerbegebiet in Marl mein landwirtschaftliches und forstwirtschaftliches Wissen in der Wirtschaft einbringen konnte.

00:05:26: Das war großartig.

00:05:28: Ich durfte in einem Umfeld arbeiten, wo man täglich Mit französischem Silberbesteck, mit englischen Korthosen, mit deutschen Bleistiften und mit den besten Katalogtexten Deutschlands zu tun hatte.

00:05:38: Ich durfte Produkte suchen und finden.

00:05:40: Über Listungen entscheiden, Kataloge schreiben, organisieren, managen.

00:05:44: Ich hatte großartige Kollegen und mit Thomas Hof, dem Gründer von Manufaktum, einen wohlwollenden, fetterlichen, fordernden, aber auch mich fördernden Chef.

00:05:55: Er respektierte, schätzte und mochte mich und er ließ mir völlig freie Hand.

00:05:59: Das war ein Kick.

00:06:00: Das war Inspiration ohne Ende.

00:06:03: Und das war eine sehr wichtige Schule für mich.

00:06:10: Und ich schreibe viel über Architektur und über die Entstehung von Stadt und auch über Klimaschutz in der Stadt.

00:06:19: Und ich komme dann bei dem Kapitel Stadt zu einer ganz zentralen Frage.

00:06:25: In dem Kapitel Die Menschheit zieht um.

00:06:30: Die Weltbevölkerung wächst und sie zieht in die Städte.

00:06:34: Der Umzug der Menschheit hieß, dass ein Studie des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung eine Studie des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung globale Umweltveränderungen ist.

00:06:43: Danach werden im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr.

00:07:03: im Nach Berechnungen der Weltbank werden heute über achtzig Prozent des weltweiten Einkommens in Städten generiert, obwohl nur die Hälfte der Menschheit in Städten lebt.

00:07:12: Ökologisch deshalb, weil Städte durch ihre Dichte effizienter sind.

00:07:17: Je dichter eine Stadt bebaut ist, umso geringer wird der Bedarf an Grundfläche pro Kopf.

00:07:22: Klar, im Dorf gibt es ganz andere Grundrisse der Wohnungen.

00:07:27: Im Dorf hat fast jeder einen eigenen Garten, eine Einfahrt, eine ebenerdige Garage.

00:07:32: In der verdichteten Stadt hat es fast niemand.

00:07:35: Aber nicht nur der Bedarf an Grundfläche ist geringer, auch die zurückgelegten Entfernungen werden viel kleiner und der öffentliche Verkehr wird besser, weil er viel, viel effizienter wird.

00:07:48: Die Stadt ist ein Wald.

00:07:50: Der Mensch ist nur ein Tier und die Stadt ist nur ein Ökosystem.

00:07:56: Wir haben wie alle Tiere ein Recht, uns einen angemessenen Teil der Natur zu nehmen.

00:08:02: Allerdings eben nur ein angemessenen.

00:08:04: Das ist die ökologische Seite.

00:08:07: Doch der Wald ist ein Ort, an dem nur die Starken überleben.

00:08:10: Wald ist völlig unsozial.

00:08:12: Unsozial darf statt, aber nicht sein.

00:08:14: Hier darf nicht das Recht des Stärkeren gelten.

00:08:17: Stadt muss für alle sein, sie muss ein sozialer Wald sein.

00:08:21: Förster steuern den Wald mit Licht.

00:08:23: Eine Stadt steuert man mit Aufmerksamkeit, mit politischer Aufmerksamkeit, mit Hinschauen.

00:08:31: Und wenn wir hinschauen, dann stellen wir vielleicht fest, dass wir noch weit weg vom Ziel sind.

00:08:37: Es ist paradox, dass wir Menschen so viel über gute Lebensräume für Berggorillas, Sibirische Tiger und Wale wissen, aber so wenig über gute städtische Lebensräume für Homo Sapiens, zitierter große Kopenhager, Stadtplaner Jan Gehl, den Bürgermeister von Bogota in einem Interview.

00:08:55: Schön gesagt, wir haben also noch einiges zu lernen und zu tun, bis die Stadt, wie wir sie kennen, ein Menschenschutzgebiet ist.

00:09:07: Und damit komme ich zum fünften und letzten Kapitel.

00:09:10: Und das hat den Titel Menschenschutzgebiet.

00:09:12: Und ich habe es natürlich so genannt, das ist natürlich eine Provokation in Richtung des Behördlichen und des vereinsmäßiger organisierten Naturschutzes.

00:09:27: Eine wesentliche Inspiration für dieses Buch und seinen Titel war die Tatsache, dass ich sage, du wirst aus dem Naturschutzgebiet regelrecht ausgesperrt.

00:09:36: Da steht ein Schild, Naturschutzgebiet und du Mensch.

00:09:40: Du darfst hier nicht rein, weil du machst ja immer alles kaputt.

00:09:43: Das ist für mich ein ganz, ganz grundsätzlicher Gedanke, über den ich in dem Buch schreibe.

00:09:49: Und ich habe dafür eine etwas provokante, aber wie ich finde, sehr treffende Überschrift gefunden.

00:09:57: Der Mensch ist kein Schädling.

00:10:00: Wir Menschen sind ein Teil der Natur.

00:10:02: Und deshalb ist die Frage sinnlos, ob eine Autobahn schlechter ist als ein Hochmoor.

00:10:08: Ein Haus besser als eine Wiese oder ein Auwald wertvoller als ein Kinderspielplatz.

00:10:13: Sind Forellen besser oder Chormoranen?

00:10:16: Sind Karotten besser oder Disteln?

00:10:19: Sind Bussarde besser oder Mäuse?

00:10:22: Ganze Inseln sind von Lava überströmt worden, die sängende Sonne entzündet in manchen Gebieten der Welt.

00:10:29: Immer wieder die Wälder, komplette Berghänge rutschen einfach ab.

00:10:33: Fluten, Dürren und Lawinen vernichten wertvollste Natur heute und seit Jahrmillionen alles mit und genauso auch ohne Zutun des Menschen.

00:10:42: Das gehört zum Erneuerungsprozess dazu, so ist die Natur.

00:10:46: Wir werden kein Kriterium finden, was gut und was schlecht, was besser und was schlechter, was richtig und was falsch ist.

00:10:55: Und deshalb ist ein Naturschutz, der uns Menschen vom Rest der Natur unterscheidet, zu kurz gesprungen und falsch.

00:11:02: und die daraus abgeleitete Forderung keine Kinder mehr zu bekommen, weil Kinder ja eine Belastung für die Erde wären, die ist doch absurd.

00:11:11: Wir sollen vorsätzlich aussterben?

00:11:13: Nein, aussterben ist kein Konzept.

00:11:16: Das mich überzeugt.

00:11:18: Ich bin Bürgermeister.

00:11:19: Mich beschäftigt nicht die Frage, wie wir es hinkriegen, dass es künftig keine störenden Menschen mehr auf der Erde gibt.

00:11:25: Nein, mich beschäftigt die Frage, wie wir es hinkriegen.

00:11:28: Dass es auch künftig Menschen auf der Erde gibt, die glücklich, in Frieden, Freiheit und Gesundheit in einer intakten Umwelt leben und Babys bekommen können.

00:11:37: Also los.

00:11:40: Naturschutz muss Menschenschutz sein.

00:11:43: Nur wenn wir uns klarmachen, dass es in Wirklichkeit darum gehen muss, uns Menschen in einem intakten Ökosystem Erde zu schützen, ist der Begriff Naturschutz sinnhaft und zielführend.

00:11:55: Ginge es nämlich nicht um den Schutz des Menschen, sondern um den der sonstigen Natur, dann könnten wir uns entspannen und unsere sämtlichen Naturschutzanstrengungen umgehend beenden.

00:12:05: Denn die Natur ist unendlich stärker als wir.

00:12:07: Sie braucht unsere Hilfe nicht.

00:12:10: Nein.

00:12:10: Naturschutz macht nur dann Sinn, wenn er den Menschen einschließt, also als Schutz des Menschen in seiner Umwelt.

00:12:18: Und wenn das so ist, dann ist auch schnell klar, dass unser heutiger Naturschutz sich zu dem, was die Menschheit tatsächlich braucht.

00:12:26: Etwa so verhält wie ein Schrebergarten zu einem Nationalpark.

00:12:30: Unser Verständnis von Naturschutz ist zu klein gedacht, zu engstirnig, zu ideologisch, zu sektoral, zu kleinräumig organisiert und das größte Missverständnis ersieht sich als Gegenspieler des Menschen.

00:12:43: Das kann zukünftig nicht mehr funktionieren.

00:12:45: Wir spüren das ja heute schon jeden Tag.

00:12:46: Wenn einer die Gewässer und die Fische schützt und der nächste die Naturschutzgebiete, der dritte schützt die Bäume und die Feldhamster, der vierte die Vögel, der fünfte die Insekten.

00:12:56: Dann sind es schon mal fünf Leute oder im schlimmsten Fall fünf Behörden, die wissen, was alles nicht geht.

00:13:03: Aber da ist niemand, der uns sagt, wie wir denn jetzt trotzdem den Fahrradweg bauen können oder die Stromtrasse Südlink, die wir so dringend brauchen, um klimaneutralen Strom von Nord nach Süd zu bekommen.

00:13:14: Das meine ich mit Sektoral.

00:13:17: Der Naturschutz der Zukunft darf nicht mehr Sektoral, sondern er muss ganzheitlich denken und er muss den Menschen integrieren und darf ihn nicht ausschließen.

00:13:26: Wir müssen also weg vom ideologischen Naturschutz und hin zum professionellen globalen Umweltschutz.

00:13:34: Der Mensch ist kein Schädling.

00:13:38: Und was heißt das jetzt mit Blick auf die Städte?

00:13:40: Eine Stadt ist wie ein Hochmoor, ein Trockenrasen, ein Gletscher oder ein Mischwald, zunächst mal einfach ein Lebensraum.

00:13:48: Sie ist ein von Menschen geschaffenes Ökosystem, allerdings kein starkes, nachhaltiges, resilientes Ökosystem, sondern ein klappriges, ressourcenverschlingendes und höchst vulnerables Ökosystem.

00:13:59: Wie eine Kugel, die auf einer Kugel balanciert.

00:14:02: Es ist deshalb höchste Zeit, dieses Ökosystem so weiterzuentwickeln, dass Städte nachhaltig wirtschaftende Systeme werden.

00:14:09: Der Biber kann die Umwelt innerhalb seines Sees zerstören.

00:14:13: Er krempelt sie komplett um.

00:14:15: Nichts bleibt darin ganz.

00:14:18: Wir Menschen können mehr als der Biber.

00:14:19: Wir können unsere ganze Umwelt zerstören.

00:14:21: Wir können es aber auch verhindern.

00:14:23: Wir haben eine Wahl.

00:14:25: Darum schreibe ich dieses Buch.

00:14:29: Und ich habe das Buch begonnen mit dem Dorf und das hat einen Grund gehabt.

00:14:35: Ich glaube, man kann aus dem Dorf das eine oder andere für die Stadt der Zukunft lernen.

00:14:42: Letztlich liegt all dem das selbe Prinzip zugrunde.

00:14:45: Kreisläufe schließen, nur diejenigen Dinge verbrauchen, die wir ersetzen können, die die nachwachsen, die die uns die Natur schenkt.

00:14:53: Und das sind mehr, als wir je verbrauchen könnten.

00:14:56: Wie früher, das Dorf, muss die Stadt der Zukunft also produktiv sein.

00:15:01: Sie muss sich ein Stück weit selbst versorgen.

00:15:03: Warum auch nicht?

00:15:04: Dabei hat die Stadt heute anders als mein Dorf in den siebziger Jahren die große Chance nicht nur Lebensmittel, sondern sogar den Löwenanteil ihres Energiebedarfes selbst und vor Ort zu erzeugen.

00:15:15: Was für eine Revolution, was für eine Chance.

00:15:17: Die Sonne strahlt rund des Zehntausendfache des gesamten Energiebedarfs der Welt auf die Erde ein.

00:15:24: und die wesentlichen Voraussetzungen, um diese Energie zu nutzen, die liegen vor.

00:15:28: Worauf warten wir?

00:15:32: Die Stadt der Zukunft wird mit einer Revolution der Landwirtschaft einhergehen.

00:15:36: Denn die Landwirtschaft in der Stadt, das sogenannte Urban Farming, bietet die riesige Chance bedeutende Mengen gesunder frischer Lebensmittel ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll selbst und direkt vor der Haustür zu produzieren.

00:15:50: Darüber mag die eine oder der andere lächeln, aber das ist eine ernstzunehmende Bewegung, auch wenn sie noch am Anfang steht.

00:15:56: Aber sie beginnt mit bemerkenswerten Schritten.

00:15:58: Die Stadt Singapur will bis in zehn Jahren, dreißig Prozent ihrer Lebensmittel in der Stadt produzieren.

00:16:05: Im sogenannten Milan Urban Food Policy Pact, der auf eine Initiative des Bürgermeisters von Mailand im Jahr zwei tausend fünfzehnt zurückgeht, haben sich inzwischen zweihundertsechzig Städte weltweit mit fast fünfhundert Millionen Einwohnern zusammengeschlossen.

00:16:21: Ziel, die Umwandlung von städtischen Räumen in landwirtschaftliche Räume vorantreiben.

00:16:26: Ich bin überzeugt, dass es so kommen wird.

00:16:29: Die Energie, die es dazu braucht, die wird jeden Tag auf unsere Erde eingestrahlt.

00:16:33: Die Energie, die es zum Anbauen und zum Bearbeiten der Felder, zum Jäten und zum Ernten braucht, die ist in uns allen angelegt.

00:16:40: Wir sind eine Bewegungsmangelgesellschaft.

00:16:43: Könnte da nicht eine ideale Kombination erkennbar werden?

00:16:47: Außerdem, Das Erfolgserlebnis, eine Frucht, ein Gemüse, ein Produkt selbst hergestellt zu haben, fühlt sich extrem gut an.

00:16:54: Landwirtschaft in der Stadt ist noch viel mehr als nur die Produktion von Lebensmitteln.

00:16:59: Das geht tiefer.

00:17:02: In meiner Grundschule gab es eine Tradition.

00:17:04: Die vierte Klasse, es gab immer nur eine davon, die kleine Dorfschule war einzügig.

00:17:10: Diese Klasse also ging im Sommer vor den Ferien gemeinsam mit dem Schulleiter raus aus dem Dorf zum Bienenstand, der dem Schulleiter gehörte.

00:17:18: Dort wartete ein freundlicher älterer Herr aus dem Dorf.

00:17:21: Er hatte ein altes Butterfass aus Holz dabei, genug Milch zum Buttern und frische Brötchen für alle Kinder.

00:17:27: Und jetzt begann das große Ereignis, dass wir natürlich aus den Erzählungen der älteren Kinder schon kannten.

00:17:33: Die einen Kinder stellten mit dem alten Hölzer einen Butterstampfer aus frischer Milchbutter her.

00:17:38: Die anderen durften aus den Waben, die gerade aus dem Bienenstock genommen worden waren, frischen Honig schleudern.

00:17:43: Dann durfte jedes Kind sich eines der frischen Brötchen aufschneiden.

00:17:47: die frisch selbstgemachte Butter draufstreichen und den gerade eben selbst geschleuderten Honig oben drauf tun.

00:17:54: Was für ein Genuss, was für ein Erlebnis.

00:17:56: Wie großartig schmeckte das und wie groß fühlten wir uns jetzt zu den Wissenden zu gehören, die das machen durften?

00:18:04: Ich schätze mal, dass von uns damaligen Viertglässlern niemand dieses Erlebnis vergessen hat.

00:18:09: Ich bin mir sicher, wenn sie selbst Kinder haben, können sie das nachempfinden.

00:18:16: Wie früher ein Dorf wird die Stadt der Zukunft wieder viel mehr in Quartieren und in Nachbarschaften organisiert sein.

00:18:23: Das geht also beim Dorf nicht nur um ökologische Punkte, sondern auch um soziale Fragen.

00:18:30: Die Altenpflege der Zukunft beispielsweise wird nicht mehr funktionieren wie früher.

00:18:33: Es wird viel zu viele Alte geben und viel zu wenige, die professionell als Pflegende zur Verfügung stehen.

00:18:39: Jüngere können älteren Menschen Gesellschaft leisten oder ihnen im Alltag helfen.

00:18:43: Umgekehrt können die Älteren auf Kinder aufpassen.

00:18:46: Biete einkaufen, suche Fahrradreparatur, biete Stellampe, suche Bohrmaschine, biete Wohnraum, brauche Pflege.

00:18:54: Netzwerke machen uns als Gesellschaft so viel stärker, stabiler, resilienter und als Individuen glücklicher.

00:19:02: Keiner wird zurückgelassen.

00:19:07: Die Nachbarschaften müssen in der Stadt wieder eine viel größere Rolle spielen, so wie früher im Dorf.

00:19:12: Die Stadt muss aus Dörfern bestehen und das Dorf in der Stadt bietet einen riesigen Vorteil.

00:19:18: Im echten Dorf gibt es keine Wahl, mitgehangen, mitgefangen.

00:19:23: Im Dorf der Vergangenheit sind wir vernetzt, weil es gar nicht anders geht, weil man sich gar nicht entziehen kann.

00:19:28: Man lebt dort und ist sichtbar.

00:19:31: In der Stadt ist es anders.

00:19:32: Wir leben in städtischer Anonymität.

00:19:35: Aber digitale Lösungen bieten uns die Möglichkeit, sowohl vernetzt zu sein und die Nachbarschaft zu kennen, als auch anonym zu sein.

00:19:43: Im digitalen Matching kann ich selbst entscheiden, selbst aussuchen, mit wem ich vernetzt sein möchte und wie weit diese Verbindung gehen darf.

00:19:51: Apps wie nebenan.de und andere gehen bereits in diese Richtung, was für eine riesige Chance für die Entwicklung von Nachbarschaft, was für eine riesige Chance für das Miteinander in der Stadt der Zukunft.

00:20:05: Wir machen die Stadt mit jedem Tag mehr zu einem Teil der Natur.

00:20:11: Die Stadt ist nicht mehr das naturverschlingende, wachsende Umweltproblem, sondern sie ist ein fairer Teil der Natur.

00:20:17: Ein fairer Teil ihrer Umwelt, nachhaltig organisiert, gemischt, aufgebaut und deshalb stabil.

00:20:24: Aber wir Menschen nehmen uns den Platz, den wir brauchen.

00:20:27: Das ist okay.

00:20:27: Wir haben Lebensraum verdient, der gut für uns ist.

00:20:30: Die Eidechsen, die Feldhamster, die Fledermäuse auch.

00:20:33: Sie sollen ihn auch haben.

00:20:34: Das passt locker, beides auf die Erde.

00:20:36: Es braucht nur etwas kluge Organisation und Anpassung.

00:20:41: Ihr merkt, ich komme am Ende des Buches zu einem Ausblick, zu einer Vision.

00:20:47: In unserer Stadt der Zukunft dürfen wir alle uns als Teil, als gleichberechtigtes, voll eingeschlossenes Mitglied einer großen Community namens Stadt fühlen.

00:20:58: Es ist unsere Stadt, unsere Hut, unsere Community, unsere Kommune.

00:21:04: Es ist meine Stadt, sie lädt mich ein mitzumachen, mitzugestalten.

00:21:09: Sie gibt mir das Gefühl, ein gleichwertiger Teil von ihr zu sein.

00:21:13: Ich kann und darf mir sie aneignen.

00:21:16: Sie für mich nutzen.

00:21:17: Sie ist meine Heimat.

00:21:19: Noch mal Jan G. Zitat, eine gute Stadt ist wie eine gute Party.

00:21:24: Die Leute bleiben länger als sie vorhatten, weil sie sich wohlfühlen.

00:21:29: In unserer Stadt fühlen wir uns nicht nur wohl, wir finden sie auch so cool, dass wir jederzeit mit Stolz einen Pulli tragen würden, auf dem vorne drauf ihr Name steht.

00:21:37: Unsere coole Zukunftstadt.

00:21:40: Die uns die Möglichkeit bietet, mit praktisch null CO-Zwei-Footprint gut zu leben.

00:21:45: In dem Bewusstsein, dass wir gerade nicht die Erde unserer Kinder verbrauchen, sondern dass wir nachhaltig leben.

00:21:50: Wir werden nichts vermissen.

00:21:54: Zurück ins Hier und Jetzt.

00:21:56: Ich will nicht belehrend sein.

00:21:57: Ich schreibe den folgenden Absatz, weil ich mir sonst vorwerfen müsste, es nicht deutlich gesagt zu haben.

00:22:02: Seien Sie bitte nachsichtig mit mir.

00:22:06: Liebe Leute, eins muss klar sein.

00:22:08: Diese Stadt, die gibt es nicht zum Nulltarif.

00:22:12: Die wird nicht frei Haus geliefert.

00:22:14: Heiner Geisler forderte mal, dass Staat und Regierung auf Augenhöhe mit den Bürgerinnen und Bürgern agieren müssten.

00:22:23: Er meinte damit sicher nicht so etwas wie Fernsehen.

00:22:26: der Bildschirm liefert und das Augenpaar konsumiert?

00:22:29: Nein.

00:22:30: Augenhöhe heißt, es gibt zwei Augenpaare, die sich gegenseitig anschauen.

00:22:36: Was nicht geht, ist mitreden und mitentscheiden wollen, aber nichts dafür tun.

00:22:42: Stadt muss Beteiligung anbieten, niederschwellig, auch die Leisen müssen mitreden können.

00:22:48: Aber im Gegenzug muss uns allen klar sein, Demokratie ist kein Konsumprodukt.

00:22:53: Also, Entweder mitmachen, mitreden, sich informieren und sich engagieren oder schnauzehalten.

00:23:01: Aber auf dem Sofa sitzen und motzen ist unerwachsen.

00:23:04: Das können wir uns im Zeitalter von Populismus und Spaltung nicht mehr leisten.

00:23:11: Unsere Stadt haben wir gemeinsam geschaffen.

00:23:14: Sie ist ein Kulturprodukt mit bester Absicht von Menschen gemacht, so wie das Naturschutzgebiet auch.

00:23:20: Und so wie die Streuobstwiese und der Gemüseacker am Rande der Stadt Auch, das sind ebenfalls Kulturen.

00:23:25: Wir Menschen leben in Kulturen.

00:23:28: Wir sind Kultivierende.

00:23:30: Wir haben das Recht, Kulturen zu schaffen und Bestandteil von Kulturen zu sein.

00:23:36: Die Dinge sind am Ende einfach, wie im Zen.

00:23:40: Einfach wie bei Cradle to Cradle, rein.

00:23:43: Alles ist ein Teil der Natur.

00:23:44: Wir sind eins.

00:23:45: Wir sind ein Teil von allem.

00:23:48: Alles bewegt sich im Kreis.

00:23:49: Geburt, Leben, sterben.

00:23:51: Geburt, neues Leben, wieder sterben.

00:23:54: Es ist auch eine erfüllende Erkenntnis zu akzeptieren, dass wir ein Teil der Natur sind, das alles eins ist und das wir das auch gar nicht ändern können.

00:24:04: Die Stadt wird mit ihren Menschen zu einem natürlichen Bestandteil ihrer Umwelt verschmelzen, wie eine Hütte im Wald.

00:24:11: Diese Stadt der Zukunft, die digitale, klimaneutrale, nachhaltige Stadt, kann der beste Lebensraum werden, den es für uns Menschen je gab.

00:24:19: Ein Menschenschutzgebiet.

00:24:20: Wir haben die Wahl.

00:24:25: So, das war der zweite... Teil meiner kleinen Reise durch Menschenschutzgebiet, wie die Stadt der Zukunft ein Teil der Natur wird.

00:24:35: Wenn euch das neugierig gemacht hat, das Buch Menschenschutzgebiet ist im Herbst, vierundzwanzig im Goldmanverlag erschienen.

00:24:42: Und natürlich findet ihr noch viel mehr Geschichten, Beispiele und Ideen, als ich sie jetzt hier ganz kurz angerissen habe.

00:24:50: In der nächsten Folge vom Baumhaus.

00:24:54: Geht es dann wieder raus aus dem Buch und hinein ins Gespräch mit Menschen, die an ähnlichen Fragen arbeiten.

00:25:00: Wie wollen wir Leben, Wirtschaften zusammen sein?

00:25:04: Wie gehen wir, wie machen wir uns auf den Weg in diese maximal lebenswerte Stadt der Zukunft?

00:25:13: Bis dahin, passt gut auf euch auf und bleibt neugierig auf das, was möglich ist.

00:25:19: Ich freue mich, wenn ihr das Baumhaus mögt.

00:25:22: Und weiter empfehlt und davon erzählt und ich freue mich, wenn ihr wieder reinschaut.

00:25:28: Alles Gute.

00:25:29: Bis bald hier in Uli's Baumhaus.

00:25:31: Euer Uli Buchhardt.

00:25:32: Tschüss.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.